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Gemeinsam statt einsam mit Demenz

Ein Vortrag von Gertrud Berning – Leitung der der SHG-DEMENZ der AWO in Lingen.  

Auf Einladung der Seniorenvertretung Lingen 

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren!

Wir wollen heute über ein Thema sprechen, dass mitten in unserer Gesellschaft angekommen ist, über das aber hinter verschlossenen Türen immer noch viel zu oft geschwiegen wird. DEMENZ

 

Wenn ein Partner oder ein Elternteil die Orientierung verliert, verändert sich das Leben von heute auf morgen. Plötzlich ist man nicht mehr nur Ehepartner, Tochter, Sohn oder Enkel, sondern wird zur Pflegekraft, zum Organisator und „zum  Fels“ in der Brandung. Das fordert unendlich viel Kraft.

 

Viele Betroffene beschreiben mir dieses Gefühl so: Man fühlt sich mitten im Alltag plötzlich unendlich einsam und unverstanden.

Ich möchte Ihnen zeigen, daß Sie diesen Weg nicht alleine gehen müssen. Und ich möchte das Bild aufräumen, daß eine SHG ein Ort der TRAURIGKEIT ist. Das Gegenteil ist der Fall: SIE IST EINE "TANKSTELLE " Wenn die Diagnose DEMENZ im Raum steht, bekommt man beim Arzt oft Broschüren, Medikamente und Listen von Pflegegraden. Das ist wichtig! 

Aber was passiert, wenn Sie abends am Küchentisch sitzen? Wenn der Partner zum zehnten Mal dieselbe Frage stellt und Sie spüren, wie die Geduld schwindet? Was macht man mit der eigenen Wut oder dem schlechten Gewissen, weil man mal eine Pause braucht?

 

Von Freunden, Verwandten und Nachbarn hört man Sätze wie: "DU MUSST AUCH MAL AN DICH DENKEN" oder "DAS WIRD SCHON WIEDER " oder auch "WAS DU IMMER HAST, MAN MERKT JA NOCH NICHTS" oder " OMA IST DOCH WIE IMMER" Was Angehörige und Betroffene wirklich brauchen, ist ein Raum, in dem man nichts erklären muss. Wo ein Blick genügt und das Gegenüber nickt, weil es genau diese Situation gestern selbst erlebt hat.

Was passiert in einer Selbsthilfegruppe? 

 

Erstens: DIE ENTLASTUNG DER SEELE 

In der Gruppe darf alles ausgesprochen werden. Hier darf man weinen, wenn man überfordert ist. Aber- und auch das überrascht die meisten Außenstehenden- hier wird auch viel gelacht. Humor ist oft das beste Ventil um mit den absurden oder schwierigen Situationen des Alltags umzugehen. 

 

Zweitens: DAS GEBALLTE ALLTAGSWISSEN 

Es steht in keinem Lehrbuch. Die Erfahrung der Gruppenmitglieder ist Gold wert. SIE SIND DIE EXPERTEN

 

Drittens: KRAFT FÜR DEN ALLTAG

 Selbsthilfe bedeutet nicht, daß wir die Demenz heilen können. Aber sie hilft den Angehörigen, gesund zu bleiben. Wer merkt, daß er mit seinen Sorgen nicht allein ist, schöpft neue Resilienz.

 

Viertens: HEMMSCHWELLE ABBAUEN 

Ich weiß aus vielen Gesprächen, daß der Schritt in eine Gruppe Mut erfordert. Eine SHG unterliegt strenger Vertraulichkeit- was im Raum besprochen wird, bleibt im Raum. Zudem gilt das Prinzip: ALLES KANN, NICHTS MUSS Sie dürfen auch einfach kommen, einen Kaffee trinken, den anderen zuhören und spüren, wie gut es tut, im selben Boot zu sitzen.

 

Fünftens: ANSCHLUSS UND AUSBLICK 

Meine Damen und Herren, eine Demenzerkrankung fordert uns als ganze Gesellschaft heraus. Sie fordert Liebe, Geduld und Kraft. Aber man darf sich auf diesem Weg Unterstützung holen. Es ist kein Zeichen von Schwäche, sich Hilfe zu suchen- es ist ein Zeichen von Stärke und Verantwortung für sich selbst und den Erkrankten 

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Veröffentlichung

Mo, 05. Oktober 2026

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